Samstag, 28. März 2026

Hummeln verbreiten tödliches Virus unter Honigbienen

Wenn die nette Hummel zum Virenschleuder wird 🐝😬

Was eine neue Studie über das Akute Bienenlähmungs-Virus bedeutet – und warum ich meinen Bienen jetzt noch mehr Blühstreifen gönne.


Ich dachte immer, Hummeln seien die gemütlichen, leicht trottelig wirkenden Cousins meiner Bienen. Groß, pelzig, irgendwie sympathisch. Nun ja. Eine aktuelle Studie hat mein Weltbild ein kleines bisschen erschüttert.

Was die Forschung herausgefunden hat

Forscherinnen und Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Georg-August-Universität Göttingen haben in einer umfangreichen Feldstudie an 32 Standorten in Niedersachsen und Hessen etwas Erstaunliches herausgefunden: Steinhummeln (Bombus lapidarius) dienen dem sogenannten Akuten Bienenlähmungs-Virus als Wirt – und während das Virus den Hummeln offenbar wenig anhaben kann, verläuft eine Infektion bei Honigbienen in der Regel tödlich.

Das klingt unangenehm – und ist es auch. Die Krankheit verläuft schnell: Infizierte Bienen zeigen Zittern, Lähmungserscheinungen und sterben bereits nach zwei bis drei Tagen. In der Brut kommt es zudem zum Absterben der Puppen. Als Hobbyimker lese ich solche Sätze und schlucke kurz.

Besonders brisant: Bislang ging man in der Forschung davon aus, dass nur Honigbienen als Wirte für verschiedene Viren dienen und so Hummeln und andere Wildbienen anstecken können. Die neue Studie zeichnet jedoch ein anderes Bild – auch Wildbienen können Wirte für Viren sein und damit theoretisch zur Infektion von Honigbienen beitragen. 

Der Übertragungsweg ist dabei erschreckend simpel: Eine blühende Sommerwiese ist zugleich Nahrungsquelle und möglicher Übertragungsort für virale Infektionen – dort kommen die Insekten auf der Suche nach Nahrung mit eventuell virenbelastetem Pollen und Nektar in Kontakt. Sprich: Die Blume, die ich so romantisch finde, ist gleichzeitig eine Art viraler Gemeinschafts-Trinkflasche.

Wie häufig und wie gefährlich ist das ABPV eigentlich?

Gute Frage – und die Antwort ist leider kein großer Trost. Insgesamt gibt es über 20 Virenspezies, die Honigbienen infizieren können, und durch die weltweite Verbreitung der Varroamilbe findet man Bienenviren in nahezu jedem Volk. Das Akute Bienenlähmungs-Virus ist dabei kein Exot.

Unter normalen Umständen ruft das ABPV (Akutes Bienen-Paralyse Virus) keine Bienenschäden hervor – die Bienen erscheinen äußerlich gesund, auch wenn sich das Virus in weniger wichtigen Geweben vermehrt. Gefährlich wird es, wenn sich das Virus im Gehirn der Biene anreichert: Dann stirbt sie innerhalb weniger Tage. Besonders heikel ist die Kombination mit der Varroamilbe: Werden Bienen durch die Varroamilbe über das Anstechen der Hämolymphe infiziert, reichen bereits 100 Virionen aus, um eine tödliche Erkrankung auszulösen – bei oraler Aufnahme sind dafür 1.000 Virionen und mehr nötig. 

Und die Folgen für ein ganzes Volk? Bei starkem Virusbefall stirbt die Brut in einem frühen Puppenstadium ab, die Lebensdauer der Bienen verkürzt sich, und in Verbindung mit anderen Krankheitserregern kann es zu Völkerzusammenbrüchen kommen.

Kurzum: Ein geschwächtes Volk, das gleichzeitig unter Varroa und ABPV leidet, hat keine einfache Saison vor sich.

Was das für Imker bedeutet – meine kritische Einschätzung

Jetzt könnte man in Panik verfallen und anfangen, alle Hummeln im Umkreis argwöhnisch zu beäugen. Das wäre erstens wenig sinnvoll und zweitens ziemlich unfair gegenüber den pelzigen Gesellen. Denn die Studie liefert auch konstruktive Erkenntnisse.

Die Zusammensetzung der Bienenarten an einem Standort beeinflusst die Verbreitung von Viren weniger als bisher angenommen. Dagegen spielt der direkte Kontakt zu Bienen, die viele Viren übertragen, eine entscheidende Rolle – und der geschieht vor allem bei Blütenbesuchen.

Die gute Nachricht: Es gibt etwas, das wir als Imker und Gartenbesitzer konkret tun können. Je mehr Platz und Nahrungsangebot Bienen haben, desto unwahrscheinlicher werden Infektionen. Um das Risiko zur Ausbreitung der Krankheiten zu minimieren, wären mehr Blühstreifen mit vielen unterschiedlichen Pflanzenarten sehr hilfreich, so Prof. Robert Paxton von der MLU.

Was mich an der Studie dennoch nachdenklich macht: Sie erinnert daran, wie vernetzt das Ökosystem rund um Bienen wirklich ist. Honigbienen sind keine Inseln. Was in der Wildbienengemeinschaft passiert, betrifft früher oder später auch den heimischen Bienenstock. Als Imker trage ich also nicht nur Verantwortung für meine eigenen Völker, sondern bin – ob ich will oder nicht – Teil eines größeren Gefüges.

Die Studie liefert (noch) keine konkreten Handlungsempfehlungen für den einzelnen Imker. Direkten Schutz vor dem Virus gibt es bislang nicht. Was bleibt, ist das, was gute Imkerei ohnehin ausmacht: gesunde, starke Völker aufbauen, die Varroa konsequent im Griff behalten und die Umgebung so bienenfreundlich wie möglich gestalten.🐝


Quellen:

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