Mittwoch, 17. Juni 2026

Diese 7 Fehler macht fast jeder Imker-Anfänger

 

Diese 7 Fehler macht fast jeder Imker-Anfänger

Imkern wirkt von außen idyllisch – ein Bienenhaus, ein bisschen Rauch, am Ende fließt goldener Honig ins Glas. Die Realität sieht im ersten Jahr oft anders aus: Unsicherheit, viele Fragen und ein paar Fehler, die fast jeder Anfänger macht. Das ist völlig normal – aber wer sie vorher kennt, kann sie sich sparen.


1. Zu oft ins Volk schauen

Der wohl häufigste Fehler überhaupt: aus Neugier und Sorge viel zu oft die Beute öffnen. Jede Kontrolle bedeutet Stress für das Volk – die Bienen müssen die Temperatur im Brutnest wieder regulieren, der Geruch im Stock verändert sich, und die Tiere werden unruhig.

Die Faustregel: In der Hauptsaison reicht eine gründliche Kontrolle alle 7–9 Tage völlig aus (orientiert am Schwarmtrieb-Rhythmus). Wer öfter hineinschaut, stört mehr, als er hilft.

Besser: Eine Liste mit konkreten Kontrollpunkten vorbereiten, bevor das Volk geöffnet wird – das macht jede Kontrolle effizienter und kürzer.


2. Falsche Einschätzung der Volksstärke

Anfänger überschätzen häufig, wie stark ein Volk im Frühjahr tatsächlich ist – oder unterschätzen es im Hochsommer. Die Folge: Honigräume werden zu früh oder zu spät aufgesetzt, oder ein schwaches Volk wird mit zu viel Raum überfordert.

Typisches Anfängerproblem: Ein zu großer Brutraum bei einem noch kleinen Volk führt dazu, dass die Bienen Mühe haben, die Temperatur zu halten – das Wachstum verzögert sich.

Besser: Lieber etwas enger starten und bei Bedarf erweitern, als von Anfang an zu viel Raum anzubieten.


3. Den Varroadruck unterschätzen

Die Varroamilbe ist für viele Neuimker unsichtbar – bis es zu spät ist. Ein Volk kann im Spätsommer noch völlig gesund wirken und ist im Winter trotzdem verloren, weil der Milbenbefall im Hintergrund zugenommen hat.

Häufiger Fehler: Die Behandlung wird zu spät im Jahr durchgeführt, oder es wird komplett auf eine Kontrolle verzichtet, weil "die Bienen doch fliegen wie immer".

Besser: Regelmäßige Gemülldiagnose oder Puderzuckermethode zur Kontrolle nutzen, und die Behandlung rechtzeitig nach der letzten Honigernte einplanen – nicht erst, wenn Symptome sichtbar sind.


4. Schwarmverhinderung verschlafen

Der Schwarmtrieb kommt für Anfänger oft überraschend – meist genau dann, wenn man im Urlaub ist oder gerade keine Zeit hatte, die Weiselzellen zu kontrollieren. Das Ergebnis: Die Hälfte des Volkes ist plötzlich weg, und mit ihr ein großer Teil der erwarteten Honigernte.

Typisches Muster: Erst beim Anblick einer fertigen Weiselzelle wird gehandelt – dann ist es oft schon zu spät.

Besser: Ab Mitte April wöchentlich gezielt nach Weiselzellen suchen, nicht erst, wenn das Volk schon "komisch" wirkt.


5. Zu viel oder zu wenig Rauch beim Smoker

Der Smoker ist für viele Anfänger ein Rätsel – entweder wird zu viel Rauch erzeugt, der die Bienen aggressiv macht, oder zu wenig, sodass er gar keine beruhigende Wirkung zeigt.

Häufiger Fehler: Direkt dicke Rauchschwaden in die Beute blasen, was die Bienen eher aufschreckt als beruhigt.

Besser: Kühler, dichter Rauch in kleinen, gezielten Stößen – nicht hineinpusten, sondern kurz andeuten. Weniger ist hier fast immer mehr.


6. Die Königin beim Durchsehen übersehen – oder verletzen

Gerade am Anfang ist es schwer, die Königin zwischen Tausenden Arbeiterinnen zu finden. Das eigentliche Risiko liegt aber nicht im Übersehen, sondern im hektischen Hantieren mit den Waben – dabei kann die Königin schnell eingeklemmt oder verletzt werden.

Typischer Fehler: Waben zu schnell und ruckartig herausziehen oder wieder einsetzen, ohne genau hinzusehen.

Besser: Jede Wabe langsam und kontrolliert bewegen, besonders bei den ersten und letzten Waben im Kasten – dort hält sich die Königin gerne auf.


7. Zu spät oder zu wenig einfüttern im Herbst

Ein Volk, das im Sommer prächtig aussieht, kann im Winter trotzdem verhungern, wenn die Futterreserven nicht ausreichen. Viele Anfänger füttern zu spät, zu wenig oder mit ungeeignetem Futter.

Häufiger Fehler: Erst im Oktober mit dem Einfüttern beginnen, wenn die Temperaturen schon fallen und die Bienen das Futter kaum noch verarbeiten können.

Besser: Einfütterung idealerweise bis Anfang September abschließen, damit die Bienen das Futter noch in Ruhe einlagern und verarbeiten können. Die genaue Futtermenge richtet sich nach Volksgröße und Beutentyp – im Zweifel lieber etwas großzügiger kalkulieren.


Fazit: Fehler gehören dazu

Niemand startet als perfekter Imker – diese sieben Fehler haben fast alle erfahrenen Imker selbst einmal gemacht. Entscheidend ist nicht, sie komplett zu vermeiden, sondern aus ihnen zu lernen und mit jedem Jahr ein besseres Gefühl für die eigenen Völker zu entwickeln.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Nicht zu oft ins Volk schauen
  • Volksstärke realistisch einschätzen
  • Varroa regelmäßig kontrollieren
  • Schwarmtrieb aktiv verhindern
  • Smoker dosiert einsetzen
  • Bei der Waben-Kontrolle ruhig und langsam arbeiten
  • Rechtzeitig und ausreichend einfüttern

Mit etwas Erfahrung wird vieles davon zur Routine – und genau das macht die Imkerei am Ende so spannend.


Welcher Fehler ist dir im ersten Jahr passiert? Schreib es gern in die Kommentare – andere Anfänger profitieren bestimmt davon.

Freitag, 12. Juni 2026

Honig richtig abfüllen und lagern

 

Honig richtig abfüllen und lagern – worauf es ankommt

Du hast geschleudert, gesiebt und der Honig wartet darauf, ins Glas zu kommen. Jetzt entscheidet sich, ob deine Arbeit der letzten Wochen auch wirklich im Glas ankommt – oder ob der Honig durch Fehler beim Abfüllen und Lagern an Qualität verliert. Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Regeln machst du fast nichts falsch.


Der richtige Zeitpunkt zum Abfüllen

Honig sollte nicht sofort nach dem Schleudern abgefüllt werden. Direkt nach der Ernte enthält er noch viele kleine Luftbläschen und Schwebstoffe (Wachsteilchen, Pollen), die nach oben steigen sollten.

So gehst du vor:

  1. Honig durch ein Siebtuch oder Doppelsieb laufen lassen
  2. In einen Abfüllbehälter (Hobbock) umfüllen
  3. 2–3 Tage stehen lassen – die Schaumschicht und groben Partikel steigen nach oben
  4. Schaum vorsichtig abschöpfen
  5. Erst dann abfüllen

Wer zu früh abfüllt, riskiert eine unschöne weiße Schaumschicht im fertigen Glas – geschmacklich unbedenklich, aber optisch nicht ideal.


Der Wassergehalt entscheidet über die Haltbarkeit

Bevor du überhaupt ans Abfüllen denkst, sollte der Wassergehalt stimmen. Das ist der wichtigste Faktor für die Haltbarkeit deines Honigs.

Wassergehalt Bewertung
Unter 18 % ideal, sehr gut lagerfähig
18–20 % in Ordnung, aber im Auge behalten
Über 20 % Risiko der Gärung

Ein Refraktometer ist hier die Investition, die sich lohnt – schon für unter 30 Euro erhältlich und in Sekunden abgelesen. Liegt der Wert zu hoch, sollte der Honig nicht geerntet, sondern zuerst weiter von den Bienen entfeuchtet werden. Gegebenenfalls muss dafür zunächst das Entdeckelungswachs entfernt werden, denn verdeckelte Waben sind zwar ein Indiz aber noch kein Garant für einen geringen Wassergehalt.

Warum ist das so wichtig? Bei zu hohem Wassergehalt können Hefepilze aktiv werden, die im Honig immer in geringer Zahl vorhanden sind. Das Ergebnis: Der Honig beginnt zu gären, schmeckt sauer und schäumt im Glas.


Die richtige Temperatur beim Abfüllen

Honig lässt sich am leichtesten abfüllen, wenn er leicht erwärmt ist (ca. 30–35 °C) – er ist dann dünnflüssiger und lässt sich besser portionieren.

Wichtig dabei:

  • Niemals über 40 °C erhitzen (sonst gehen Enzyme, Aromen und wertvolle Inhaltsstoffe verloren)
  • Wasserbad statt direkter Hitze verwenden
  • Erwärmen nur so kurz wie nötig

Wer den Honig direkt nach dem Schleudern (meist noch leicht warm) abfüllt, muss oft gar nicht zusätzlich erwärmen.


Die passenden Gläser

Nicht jedes Glas ist gleich gut geeignet:

  • Material: Glas ist ideal – geschmacksneutral, lichtundurchlässig wählbar, wiederverwendbar
  • Deckel: Twist-off-Deckel mit intaktem Innenlack verwenden – beschädigte oder rostanfällige Deckel können den Honig beeinträchtigen
  • Sauberkeit: Gläser und Deckel vor der Befüllung trocken und sauber sein – Restfeuchte kann die Gärung begünstigen
  • Größe: Kleinere Gläser (250 g) verkaufen sich oft besser als große – sie wirken hochwertiger und werden schneller verbraucht

Tipp: Gläser kurz vor dem Befüllen nochmal mit einem sauberen, fusselfreien Tuch auswischen – auch frisch gespülte Gläser können Staub aus dem Schrank angesammelt haben.


Randvoll oder Luft lassen?

Honig sollte bis knapp unter den Rand abgefüllt werden – nicht randvoll, aber auch nicht mit viel Luftraum. Zu viel Luft im Glas begünstigt Oxidation und kann die Haltbarkeit verkürzen.

Ein kleiner Luftspalt von wenigen Millimetern ist optimal.


Die richtige Lagerung nach dem Abfüllen

Jetzt kommt der Teil, der oft unterschätzt wird – denn die Lagerbedingungen entscheiden maßgeblich über Konsistenz, Geschmack und Haltbarkeit.

Temperatur

Honig am besten bei konstanten 10–20 °C lagern – ein kühler, aber nicht eiskalter Keller oder Vorratsraum ist ideal.

Vorsicht: Temperaturen zwischen 10–15 °C beschleunigen die Kristallisation am stärksten (siehe dazu unseren Beitrag "Warum kristallisiert mein Honig?").

Licht

Honig sollte dunkel gelagert werden. UV-Licht kann Enzyme zerstören und die Farbe sowie den Geschmack negativ beeinflussen. Ein Schrank oder Keller ist besser als ein offenes Regal in der Küche – auch wenn schön angerichtete Honiggläser natürlich dekorativ wirken.

Luftfeuchtigkeit

Honig ist hygroskopisch – er zieht Feuchtigkeit aus der Umgebung an. In einem feuchten Lagerraum kann sich dadurch der Wassergehalt im Glas erhöhen, vor allem wenn der Deckel nicht hundertprozentig dicht ist. Trockene Lagerräume sind daher klar im Vorteil.

Gerüche

Honig nimmt Fremdgerüche aus der Umgebung auf. Lagerung neben stark riechenden Lebensmitteln (Zwiebeln, Reinigungsmitteln, Gewürzen) sollte vermieden werden.


Wie lange ist Honig haltbar?

Bei optimaler Lagerung ist Honig praktisch unbegrenzt haltbar – die oft aufgedruckten 1–2 Jahre Mindesthaltbarkeitsdatum sind eine gesetzliche Vorgabe, keine echte Verfallsgrenze. Honig wird mit der Zeit dunkler, kann kristallisieren oder etwas an Aroma verlieren – schlecht im klassischen Sinne wird er bei guter Lagerung jedoch nicht.

Anzeichen, dass etwas nicht stimmt:

  • Schaumbildung oder Blasen im Glas (Gärung)
  • Säuerlicher, alkoholartiger Geruch
  • Deckel wölbt sich nach oben (Druck durch Gärgase)

In diesen Fällen: Honig nicht mehr für den Verzehr verwenden.


Etikettierung – nicht vergessen!

Wer Honig verkauft oder verschenkt, sollte ihn ordentlich beschriften:

  • Sorte (z. B. Blütenhonig, Sommertracht)
  • Abfülldatum
  • Mindesthaltbarkeitsdatum
  • Imker-Adresse/Kontakt (bei Verkauf rechtlich vorgeschrieben)
  • Losnummer (bei Verkauf empfehlenswert)

Fazit

Honig richtig abzufüllen und zu lagern ist kein Hexenwerk – aber ein paar Details machen den Unterschied zwischen einem Glas, das Monate später noch genauso gut schmeckt wie am Erntetag, und einem, das gärt oder an Qualität verliert. Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Wassergehalt vor dem Abfüllen prüfen (unter 18 % ideal)
  • 2–3 Tage absetzen lassen vor dem Abfüllen
  • Saubere, trockene Gläser mit intaktem Deckel verwenden
  • Dunkel, kühl-konstant und trocken lagern
  • Nicht über 40 °C erwärmen

Mit diesen Grundlagen steht einem Glas Honig, das auch in einem Jahr noch überzeugt, nichts mehr im Weg.


Hast du noch Fragen zum Abfüllen oder Lagern deines Honigs? Schreib sie gern in die Kommentare.

Donnerstag, 11. Juni 2026

Warum kristallisiert mein Honig – und ist das normal?

Warum kristallisiert mein Honig – und ist das normal?

Du greifst morgens zum Honigglas und statt des goldenen, fließenden Nektars sitzt da eine feste, körnige Masse. Schlechter Honig? Gepanscht? Abgelaufen? Keine Sorge – das genaue Gegenteil ist der Fall.


Kristallisation ist ein Zeichen von Qualität

Echte Bienen, echter Honig, echte Kristalle. Die Kristallisation ist ein natürlicher, chemischer Prozess und gilt unter Imkern sogar als Qualitätsmerkmal. Honig, der niemals fest wird, lässt eher Fragen offen – zum Beispiel, ob er überhaupt echt ist oder stark erhitzt wurde.


Wie funktioniert das eigentlich?

Honig besteht zu einem großen Teil aus zwei Zuckerarten: Fruktose (Fruchtzucker) und Glukose (Traubenzucker). Der Unterschied zwischen den beiden ist entscheidend:

  • Fruktose bleibt flüssig – sie löst sich gut in Wasser und kristallisiert kaum.
  • Glukose hingegen ist weit weniger wasserlöslich. Sie sucht sich früher oder später Kristallisationskerne – kleine Partikel wie Pollenkörner, Wachsreste oder winzige Luftbläschen – und lagert sich dort an.

Das Ergebnis: Dein Honig wird fest.


Warum kristallisiert mancher Honig schneller?

Die Geschwindigkeit hängt vor allem vom Verhältnis von Glukose zu Fruktose ab. Je mehr Glukose, desto schneller wird der Honig fest.

HonigsorteKristallisiert …
Raps- & Frühtrachthonig            sehr schnell (oft schon nach wenigen Wochen)
Sonnenblumenhonig            schnell
Blütenhonig (gemischt)            mittel
Akazienhonig            sehr langsam bis gar nicht
Waldhonig            langsam

Rapshonig ist das beste Beispiel: Er kristallisiert so schnell, dass er beim Imker schon im Schleuderraum bzw. Abfülleimer fest werden kann – das ist ganz normal und kein Problem.


Temperatur spielt eine große Rolle

Honig kristallisiert am schnellsten bei Kühlschranktemperatur – also zwischen 10 und 15 °C. Das ist der ungünstigste Bereich. Wer Honig flüssig halten möchte, lagert ihn besser bei Zimmertemperatur (über 20 °C) oder – wenn Langzeitlagerung gewünscht ist – im Gefrierschrank.

Faustregel:

  • Unter 10 °C → Kristallisation verlangsamt sich
  • 10–15 °C → kristallisiert am schnellsten
  • Über 20 °C → bleibt länger flüssig
  • Über 40 °C → Kristalle lösen sich auf (aber Inhaltsstoffe leiden)

Kann ich kristallisierten Honig wieder flüssig machen?

Ja – und es ist einfacher als gedacht. Stell das Glas (ohne Deckel oder mit leicht geöffnetem Deckel) in ein Wasserbad bei maximal 40 °C. Langsam erwärmen, gelegentlich rühren – nach einer Weile ist er wieder flüssig.

Was du vermeiden solltest:

  • Mikrowelle (zu heiß, zu ungleichmäßig)
  • Kochen oder Temperaturen über 45 °C (dabei werden Enzyme und Aromen zerstört)
  • Zu lange Erwärmen (mindert die Qualität dauerhaft)

Wer oft flüssigen Honig braucht, kann sich einen günstigen Honigwärmer zulegen – ein Gerät, das sanft und gleichmäßig auf Temperatur hält.


Was ist mit dem körnigen, krümeligen Honig?

Mancher kristallisierter Honig hat grobe, unschöne Körner – das liegt daran, dass die Kristallisation unkontrolliert abgelaufen ist. Cremehonig ist die elegante Lösung: Dabei wird die Kristallisation gezielt gesteuert, sodass winzig kleine Kristalle entstehen und der Honig eine samtige, streichfähige Konsistenz bekommt. Dazu mehr in einem eigenen Beitrag.


Fazit: Kristallisierter Honig ist guter Honig

Wenn dein Honig fest wird, hat das nichts mit schlechter Qualität, Verfälschung oder einem Fehler beim Imker zu tun. Es ist Chemie – und ein Zeichen dafür, dass du echten, naturbelassenen Honig im Glas hast.

Also: Löffel rein, genießen – egal ob flüssig oder fest.


Hast du Fragen rund ums Thema Honig oder Imkerei? Schreib sie gern in die Kommentare.

Samstag, 6. Juni 2026

Einblick in den Kurs Königinnenzucht

 

Im Reich der Königin – Was mir ein Seminar über Bienen und das Leben lehrte

Heute habe ich das Königinnenzucht-Seminar an der Imkerschule abgeschlossen. Ich sitze noch mit dem Duft von Bienenwachs in der Kleidung hier und versuche, das Erlebte in Worte zu fassen. Es ist schwieriger als gedacht – denn was ich mitgenommen habe, geht weit über Notizen und Handgriffe hinaus.

Aber der Reihe nach.

Genetik im Bienenstock – komplizierter als gedacht

Der Kurs begann mit Grundlagen, die mich ehrlich gesagt überraschten – nicht weil sie schwer verständlich waren, sondern weil sie so wunderbar seltsam sind. Bienen funktionieren genetisch völlig anders als wir Menschen es gewohnt sind.

Die Königin paart sich auf dem Hochzeitsflug mit mehreren Drohnen – und das hat eine faszinierende Konsequenz: Die Arbeiterinnen in einem Volk sind zwar alle Töchter der Königin, aber sie stammen von verschiedenen Vätern. Das bedeutet, sie haben nicht alle dieselbe DNA. Im Stock leben also viele genetische „Familien" nebeneinander, alle unter dem Dach eines Volkes vereint.

Für die Züchtung ist das entscheidend. Wenn ich eine Königin aus einer sanftmütigen Mutterlinie ziehe, heißt das noch nicht, dass alle Töchtervölker sanftmütig werden. Der Genotyp – also die genetische Anlage – und der Phänotyp – also das, was sich am Tier tatsächlich zeigt – können auseinanderfallen. Erst in den Nachkommen offenbart sich, welche Eigenschaften sich wirklich durchsetzen. Das macht Bienenzucht zu einem geduldigen, langfristigen Handwerk.

Was züchten? Die Zuchtziele

Einen breiten Raum nahmen die verschiedenen Zuchtziele ein. Ich liste sie hier kurz auf, nicht ohne einen persönlichen Kommentar hinzuzufügen:

Sanftmut – Das Maß dafür, wie friedlich ein Volk am Bienenstand reagiert. Für mich das wichtigste Ziel überhaupt. Ich möchte Imkern, ohne Schutzanzug als Rüstung zu brauchen.

Honigeintrag – Die Fähigkeit eines Volkes, möglichst viel Nektar einzutragen und zu Honig zu verarbeiten. Ein klassisches Zuchtziel in der gewerblichen Imkerei – für mich persönlich zweitrangig.

Wabensitz – Wie ruhig bleiben die Bienen auf der Wabe, wenn man sie herausnimmt und in die Hand nimmt? Ein hektisches Volk, das sofort von der Wabe läuft, ist schwieriger zu arbeiten. Ruhiger Wabensitz macht die Inspektion für Mensch und Tier angenehmer.

Schwarmstimmung – Oder besser: wie wenig davon. Völker mit geringer Schwarmlust sind einfacher zu halten und verlieren weniger Bienen. Ein wichtiges Zuchtziel, gerade für Hobbyimker ohne tägliche Kontrollmöglichkeit.

Recapping – Das war neu für mich und ich fand es sofort faszinierend. Gemeint ist das Verhalten mancher Bienen, verdeckelte Brutzellen zu öffnen, die befallene oder tote Puppen enthalten – und diese dann zu entfernen. Es ist ein Aspekt von hygienischem Verhalten, der zur natürlichen Varroatoleranz beitragen kann. Völker, die stark recappen, können Varroa-Befall aktiv eindämmen. Ich hatte diesen Begriff vorher noch nie gehört und war begeistert, dass die Bienen sich hier selbst helfen können.

Meine bescheidenen Ziele

Ich muss hier ehrlich sein: Ich möchte keine Hochleistungsmaschinen züchten. Kein Rekord-Honigeintrag, keine Ausstellungsköniginnen. Was ich möchte, sind Völker, mit denen ich gerne Zeit verbringe. Sanftmütige, handliche Bienen, die am Stand ruhig bleiben und mir das Imkern zu einem entspannten Erlebnis machen.

Sanftmut als Zuchtziel klingt simpel – ist es aber nicht. Es erfordert Konsequenz über mehrere Generationen, sorgfältige Beobachtung und den Mut, Völker aufzugeben oder umzubehandeln, die dem Bild nicht entsprechen. Aber es ist ein Ziel, das ich guten Gewissens verfolgen kann, für mich und für die Bienen.

Die Praxis: Schritt für Schritt zur neuen Königin

Der zweite große Teil des Seminars war praktisch und handwerklich. Wir gingen die einzelnen Schritte der Königinnenzucht durch:

Pflegevölker aufbauen – Ein starkes, weisellos gemachtes Volk, das bereit ist, Weiselzellen zu pflegen. Es braucht viele junge Ammenbienen und ausreichend Futter, damit die Pflege intensiv und zuverlässig läuft.

Umlarven – Das feinste Handwerk im ganzen Prozess. Mit einem kleinen Holz- oder Kunststoffspatels werden winzige Larven – nicht älter als 12 bis 24 Stunden – aus Zellen entnommen und in Zuchtschälchen übertragen. Beim ersten Versuch zitterte meine Hand. Die Larven sind kaum sichtbar. Aber genau darin liegt der Zauber: Diese winzige, kaum wahrnehmbare Geste kann der Beginn einer Königin sein.

Weiselzellen käfigen – Kurz bevor die Zellen schlüpfen, werden sie in kleine Schutzkäfige gesetzt, damit die junge Königin nicht sofort von ihren Schwestern gestochen wird. Timing ist hier alles.

Begattungskästen füllen – Kleine Völkchen werden in spezielle Begattungskästen einlogiert. Sie bestehen aus wenigen Waben, ein paar hundert Bienen und einer Zelle oder einer jungen, unbegatteten Königin. Hier findet der Hochzeitsflug statt – draußen, in der freien Natur, auf eigene Rechnung der jungen Königin.

Kontrolle und Einweiseln – Hat die Königin ihren Hochzeitsflug erfolgreich absolviert und legt sie regelmäßig Eier, kann sie in ein Produktionsvolk eingeweiselt werden. Auch das will gelernt sein: Eine fremde Königin wird vom Volk zunächst als Eindringling wahrgenommen. Sanftes, geduldiges Einweiseln mit Candy-Käfig gibt dem Volk Zeit, sich an den neuen Geruch zu gewöhnen.

Was bleibt

Am Ende dieses Tages bin ich müde, aber auf eine gute Art. Diese Erschöpfung, die man fühlt, wenn man wirklich aufmerksam war. Wenn man zugehört, mitgemacht und nachgedacht hat.

Ich nehme nicht nur Wissen mit nach Hause. Ich nehme eine neue Ehrfurcht mit. Vor der Komplexität eines Bienenvolkes, das genetisch vielfältiger ist als ich dachte. Vor der Geduld, die echte Zucht erfordert. Und vor dieser kleinen Larve, die mit etwas Gelee royale und menschlichem Geschick zu etwas Außergewöhnlichem werden kann.

Meine Ziele sind bescheiden. Meine Freude daran ist es nicht.

Geschrieben am 6. Juni 2026, mit Wachsresten an den Händen.

Samstag, 25. April 2026

Frühjahresdurchsicht 2026

 

Frühjahrsputz im Bienenstock 🐝✨

Durchsicht, dunkle Waben und die kleine Kunst, den Bienen sanft auf die Sprünge zu helfen.


Es gibt Momente in der Imkerei, auf die man sich den ganzen Winter freut. Die erste Frühjahrs­durchsicht ist so ein Moment. Der Deckel geht hoch, ein vertrautes Summen steigt einem entgegen – und wenn dann alles gut aussieht, ist das einfach ein schönes Gefühl. Gestern war es so weit.

Gute Nachrichten aus dem Bienenstock

Kurz und bündig: Den Bienen geht es gut. Alle Völker haben den Winter ordentlich überstanden und sich prächtig entwickelt. Wer schon mal mit einem eingegangenen Volk im Frühjahr vor einem stillen Kasten stand, weiß, was für eine Erleichterung das ist. Ich nicht mehr – aber ich habe genug darüber gelesen, um die guten Nachrichten heute ausdrücklich zu feiern. 🎉

Wabenhygiene: Ausmisten ist Pflicht

Neben dem Blick auf Brut, Königin und Volksstärke stand heute ein weiteres Thema auf dem Programm: Wabenhygiene. Klingt nach lästiger Haushaltsarbeit, ist aber eine der wichtigsten Maßnahmen für gesunde Völker.

Im Laufe der Jahre werden Waben dunkler – durch Pollen-, Chitinreste der geschlüpften Bienen und natürliche Ablagerungen. Was ein bisschen unappetitlich klingt, ist tatsächlich auch ein Problem: Dunkle, alte Waben können Krankheitserreger beherbergen und die Luftzirkulation im Volk beeinträchtigen. Deshalb werden sie regelmäßig aussortiert und durch frisches Mittelwand-Wachs ersetzt, auf dem die Bienen neue, saubere Waben bauen können.

Heute habe ich in meinen Völkern zahlreiche solcher dunklen Waben herausgenommen. Das Volk dankt es einem – auch wenn die Bienen in dem Moment eher irritiert wirken und sich fragen, wer hier eigentlich das Sagen hat.


Bannwaben: Der clevere Kompromiss

Jetzt wird es kurz ein bisschen fachlich – aber keine Sorge, ich fasse mich kurz.

Das Problem beim Aussortieren alter Waben: Oft befinden sich auf diesen Waben noch Brut – also Eier, Larven oder verdeckelte Puppen, aus denen bald neue Bienen schlüpfen. Die einfach wegzuwerfen wäre Verschwendung und für das Volk ein unnötiger Verlust.

Hier kommen Bannwaben ins Spiel. Eine Bannwabe ist eine spezielle Wabe mit einem sehr engen Zellenabstand oder einer Gitterstruktur, durch die die Königin nicht passt – sie kann also nicht hineingelangen, um neue Eier hineinzulegen. Das Prinzip: Ich hänge die noch bebrüteten alten Waben hinter eine Bannwabe im Volk. Die bereits vorhandene Brut kann in Ruhe schlüpfen und die jungen Bienen kommen dem Volk zugute. Gleichzeitig wird verhindert, dass die Königin die Wabe erneut bestiftet – also neue Eier hineinlegt – und das alte Wabenmaterial so für immer im Umlauf bleibt.

Sobald die letzte Brut geschlüpft ist, wird die alte Wabe endgültig entnommen. Sauber, effizient und fair gegenüber den Bienen. Ich mag solche Lösungen, bei denen am Ende alle einigermaßen zufrieden sind – auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Bannwabe beim ersten Mal noch etwas ratlos angestarrt habe.


Fazit: Ein guter Tag am Stand

Die Völker sind fit, die alten Waben sind raus, und das Frühjahr kann kommen. Wenn das kein Grund für ein zufriedenes Lächeln ist. 🌸🐝

Wer Fragen zur Wabenhygiene oder zur Funktionsweise von Bannwaben hat – immer her damit. Ich bin kein Experte, aber ich teile gerne, was ich bisher gelernt habe. Meistens sogar ohne dabei gestochen zu werden.


#Imkerei · #Frühjahrsrevision · #Wabenhygiene · #Bannwabe · #Hobbyimker · #Bienen







Samstag, 28. März 2026

Hummeln verbreiten tödliches Virus unter Honigbienen

Wenn die nette Hummel zum Virenschleuder wird 🐝😬

Was eine neue Studie über das Akute Bienenlähmungs-Virus bedeutet – und warum ich meinen Bienen jetzt noch mehr Blühstreifen gönne.


Ich dachte immer, Hummeln seien die gemütlichen, leicht trottelig wirkenden Cousins meiner Bienen. Groß, pelzig, irgendwie sympathisch. Nun ja. Eine aktuelle Studie hat mein Weltbild ein kleines bisschen erschüttert.

Was die Forschung herausgefunden hat

Forscherinnen und Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Georg-August-Universität Göttingen haben in einer umfangreichen Feldstudie an 32 Standorten in Niedersachsen und Hessen etwas Erstaunliches herausgefunden: Steinhummeln (Bombus lapidarius) dienen dem sogenannten Akuten Bienenlähmungs-Virus als Wirt – und während das Virus den Hummeln offenbar wenig anhaben kann, verläuft eine Infektion bei Honigbienen in der Regel tödlich.

Das klingt unangenehm – und ist es auch. Die Krankheit verläuft schnell: Infizierte Bienen zeigen Zittern, Lähmungserscheinungen und sterben bereits nach zwei bis drei Tagen. In der Brut kommt es zudem zum Absterben der Puppen. Als Hobbyimker lese ich solche Sätze und schlucke kurz.

Besonders brisant: Bislang ging man in der Forschung davon aus, dass nur Honigbienen als Wirte für verschiedene Viren dienen und so Hummeln und andere Wildbienen anstecken können. Die neue Studie zeichnet jedoch ein anderes Bild – auch Wildbienen können Wirte für Viren sein und damit theoretisch zur Infektion von Honigbienen beitragen. 

Der Übertragungsweg ist dabei erschreckend simpel: Eine blühende Sommerwiese ist zugleich Nahrungsquelle und möglicher Übertragungsort für virale Infektionen – dort kommen die Insekten auf der Suche nach Nahrung mit eventuell virenbelastetem Pollen und Nektar in Kontakt. Sprich: Die Blume, die ich so romantisch finde, ist gleichzeitig eine Art viraler Gemeinschafts-Trinkflasche.

Wie häufig und wie gefährlich ist das ABPV eigentlich?

Gute Frage – und die Antwort ist leider kein großer Trost. Insgesamt gibt es über 20 Virenspezies, die Honigbienen infizieren können, und durch die weltweite Verbreitung der Varroamilbe findet man Bienenviren in nahezu jedem Volk. Das Akute Bienenlähmungs-Virus ist dabei kein Exot.

Unter normalen Umständen ruft das ABPV (Akutes Bienen-Paralyse Virus) keine Bienenschäden hervor – die Bienen erscheinen äußerlich gesund, auch wenn sich das Virus in weniger wichtigen Geweben vermehrt. Gefährlich wird es, wenn sich das Virus im Gehirn der Biene anreichert: Dann stirbt sie innerhalb weniger Tage. Besonders heikel ist die Kombination mit der Varroamilbe: Werden Bienen durch die Varroamilbe über das Anstechen der Hämolymphe infiziert, reichen bereits 100 Virionen aus, um eine tödliche Erkrankung auszulösen – bei oraler Aufnahme sind dafür 1.000 Virionen und mehr nötig. 

Und die Folgen für ein ganzes Volk? Bei starkem Virusbefall stirbt die Brut in einem frühen Puppenstadium ab, die Lebensdauer der Bienen verkürzt sich, und in Verbindung mit anderen Krankheitserregern kann es zu Völkerzusammenbrüchen kommen.

Kurzum: Ein geschwächtes Volk, das gleichzeitig unter Varroa und ABPV leidet, hat keine einfache Saison vor sich.

Was das für Imker bedeutet – meine kritische Einschätzung

Jetzt könnte man in Panik verfallen und anfangen, alle Hummeln im Umkreis argwöhnisch zu beäugen. Das wäre erstens wenig sinnvoll und zweitens ziemlich unfair gegenüber den pelzigen Gesellen. Denn die Studie liefert auch konstruktive Erkenntnisse.

Die Zusammensetzung der Bienenarten an einem Standort beeinflusst die Verbreitung von Viren weniger als bisher angenommen. Dagegen spielt der direkte Kontakt zu Bienen, die viele Viren übertragen, eine entscheidende Rolle – und der geschieht vor allem bei Blütenbesuchen.

Die gute Nachricht: Es gibt etwas, das wir als Imker und Gartenbesitzer konkret tun können. Je mehr Platz und Nahrungsangebot Bienen haben, desto unwahrscheinlicher werden Infektionen. Um das Risiko zur Ausbreitung der Krankheiten zu minimieren, wären mehr Blühstreifen mit vielen unterschiedlichen Pflanzenarten sehr hilfreich, so Prof. Robert Paxton von der MLU.

Was mich an der Studie dennoch nachdenklich macht: Sie erinnert daran, wie vernetzt das Ökosystem rund um Bienen wirklich ist. Honigbienen sind keine Inseln. Was in der Wildbienengemeinschaft passiert, betrifft früher oder später auch den heimischen Bienenstock. Als Imker trage ich also nicht nur Verantwortung für meine eigenen Völker, sondern bin – ob ich will oder nicht – Teil eines größeren Gefüges.

Die Studie liefert (noch) keine konkreten Handlungsempfehlungen für den einzelnen Imker. Direkten Schutz vor dem Virus gibt es bislang nicht. Was bleibt, ist das, was gute Imkerei ohnehin ausmacht: gesunde, starke Völker aufbauen, die Varroa konsequent im Griff behalten und die Umgebung so bienenfreundlich wie möglich gestalten.🐝


Quellen:

    Mittwoch, 11. März 2026

    Rückblick

     

    Rückblick – Wie alles begann

    Eine Geschichte über Bienen, Ausreden und das Schicksal in Gestalt einer Kita-Mama.


    Es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Es war eher so eine Art langjährige schwärende Begeisterung, die ich konsequent ignoriert habe – bis das Universum die Angelegenheit selbst in die Hand nahm. Aber der Reihe nach.

    Alles begann in der 5. oder 6. Klasse, bei einer dieser Projektwochen, die man normalerweise sofort vergisst – ihr wisst schon, zwischen „Wir basteln einen Igel aus Kastanien" und „Wir machen eine Zeitung, die niemand liest". Nur dass diese Projektwoche anders war. Wir besuchten einen echten Imker. Schutzanzüge an, raus aufs Feld, rein in die Welt der Bienen. Und dann: das Landesbienenmuseum in Celle. Ein ganzes Museum. Nur für Bienen. Ich war fasziniert. Zwölfjährig. Komplett verloren.

    Von da an stand für mich fest: Ich wollte Imker werden. Festes Vorhaben. Großer Traum. Einziges Problem: Ich wohnte noch bei meinen Eltern, und diese wollte ich gar nicht erst um Erlaubnis fragen. 


    Es folgten Jahre des konsequenten Wartens. Erst die Schulzeit, dann das Studium, Jahre des WG-Lebens mit anderen Menschen und ohne Garten. Es war für Bienenstöcke schlicht kein Platz – weder physisch noch emotional. Ich hätte es versuchen können. Wo ein Wille ist, ist schließlich auch ein Weg, doch ich tat es nicht.

    Und dann, nach dem Studium, das nächste große Hindernis: Wie kommt man eigentlich an Bienen? Zu einem Imker gehen? Den wählt man doch nicht einfach so aus dem Telefonbuch. In einen Imkerverein eintreten? Herrje. Ich stellte mir Männer mit Vollbart und 40-jähriger Vereinszugehörigkeit vor, die mich mit verschränkten Armen anschauen und fragen: „Und – haben Sie schon mal eine Königin gesehen?" Nein, hatte ich nicht. Die Hemmschwelle war monumental.

    Also tat ich das, was man in solchen Situationen tut: gar nichts. Ich wartete weiter.


    Dann kam der März 2023 – und mit ihm das Schicksal, verkleidet als Kita-Mama.

    Bei einem völlig harmlosen Playdates meines Sohnes stellte sich heraus: Die Mama seiner Kindergartenfreundin ist Imkerin. Richtige Imkerin. Mit echten Bienen. Und sie brauchte neue – musste sich frische Völker kaufen. So ganz nebenbei, bei der Terminfindung für die nächste Verabredung unserer Kinder, erwähnte sie, dass sie da eventuell Bienen kaufen müsse und noch nicht sicher zusagen könnte.

    Das war die Gelegenheit. „Kann ich mit?“, fragte ich. Sichtlich überrascht, schaute sie mich verdutzt an. Ich erzählte ihr, dass mich Bienen schon lange in ihren Bann gezogen hatten und ich auf der Suche nach jemandem bin, der mir das Imkern beibringen kann, zu dem ich meine Völker am Anfang stellen könnte und man sich dann später die Arbeit teilen könnte. Urlaubsvertretung, gemeinsames Schleudern und Wandern mit den Bienen et cetera pp.

    Und so schloss ich mich einfach an.

    Am darauf folgenden Wochenende absolvierte ich im Schnelldurchlauf einen Onlinekurs, der in meinem Landesverband anerkannt wird und meldete mich auch voller Eifer im Imkerverein an.

    Seitdem imkere ich. Es ist abwechslungsreich, es ist lehrreich, es ist manchmal ein bisschen schmerzhaft – im wörtlichen Sinne. Aber es ist meins. Und es begann, wie die besten Dinge beginnen: nicht mit einem Plan, sondern mit dem richtigen Menschen zur richtigen Zeit und einem Kita-PlayDate als Bühne.


    #Imkerei · #Anfänge · #Bienen ·  · #Rückblick

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